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WG/3Zi/K/Bar
►www.wg3zikb.de

Ein Haus für KünstlerInnen, Gäste, Freunde

Raum
Menschen brauchen Platz und Raum, um sich treffen. Gesprächskultur und Austausch, gemeinschaftliche Organisation von Ideen und Visionen wie auch Zusammenschlüsse von Berufsgruppen sind an Räume geknüpft, in denen sie sich organisieren und stattfinden können. Gerade Künstler, die durch ihre Arbeitsstruktur dazu neigen, autonom zu agieren und sich vereinzeln zu lassen, bedürfen solcher Orte, die außerhalb der klassischen Ökonomie der Kunstproduktion liegen, um einen zwanglos- offenen Austausch in einer kollegialen Inspirationsgemeinschaft zu ermöglichen. Wo die klassischen Kunstinstitutionen und ihre Einbindung in die diversen Märkte nicht geeignet scheinen, den nötigen Freiraum für einen unbelasteten Austausch innerhalb der Berufsgruppe „Kunst“ zu gewährleisten, kann ein Künstlerverein seine Position finden. Als offener Ort und Treffpunkt der Künstler kann er zur wichtigen Plattform einer Stadt werden, die sich wie Düsseldorf Kunst als Markenzeichen verordnet hat.

Luxus
Der Künstlerverein Malkasten verfügt dafür über ein luxuriöses Raumangebot mitten im Zentrum der Stadt. Seine Potenziale und Möglichkeitsräume stellen ein innerstädtisches Kapital sondergleichen dar, nach dem auch gerne mal die Administration und andere Interessenten den Arm ausstrecken. Zudem lockt eine solche Liegenschaft mit ihren herrschaftlich anmutenden Biedermeierbauten, moderneren Raumangeboten und dem grandiosen innerstädtischen Park nicht nur diejenigen an, die die Größe des Geländes erkennen und brüderlich zu teilen gedenken, sondern auch gerade jene, die statt zur Gemeinschaft zum Gutsherrentum neigen. Auch wenn das Gelände solche Phantasien zu beflügeln scheint, sind sie mehr als unzeitgemäß. Wo genug Raum für ein produktives Nebeneinander verschiedenster Haltungen einer heterogenen Künstlerschaft über Stil- und Altersgruppen hinweg vorhanden wäre, etabliert sich allzu oft eine durch Einzelinteressen geprägte Monokultur einzelner künstlerischer Glaubensrichtungen, die den Verein schon oft an den Rand des Ruins gebracht hat.

Dabei ist das luxuriöse Raumangebot nur durch eine gemeinschaftliche Arbeit verschiedenster Protagonisten mit Inhalt zu füllen. Die phantastische Liegenschaft des KV Malkasten, der 1848 gegründet nach dem Krieg als einer der wenigen der zahlreichen Künstlervereine seine Liegenschaften nicht verkaufte und nun in prachtvoller Atmosphäre mit ebensowenig Geld residiert, bedurfte und bedarf weiterhin einer jungen Generation mit jungem Denken, die den Verein nicht nur renoviert, sondern ihn als offenen Ort der Kommunikation aller Künstler mit politischem Gewicht in der Stadt neu denkt und generiert.

Konzept
Auf diese Situation reagierte das Konzept WG/3ZI/K/BAR , das ich 2003 vor dem Hintergrund erneuter Verteilungskämpfe im Umfeld des Vereins für diesen generierte, in leichter wie profunder Weise. Den andauernden Grabenkämpfen setzte es ein offenes wie subtiles „Come together“, eine souveräne Einladung zu einem großen Miteinander entgegen. Die WG machte das Angebot, die Häuser des Vereins einmal im Monat als offenes Haus der Künstler zu verstehen, als Salon, als Ort des Austausch und der Diskussion, der Gemeinschaftlichkeit, des Diskurses und des entspannten Miteinanders unter Kollegen zu sehen und zu nutzen - als freien, unbesetzten Denk- und Handlungsraum der Künstler mit stadtpolitischem Gewicht.

Die Einladung zum Teilen von Ideen, Visionen, von kollegialer Freundschaft und der Großzügigkeit des Ortes wurde nicht nur vom Verein angenommen. Zahlreiche Gäste des internationalen Kunst- und Kulturbetriebs wie auch die breite Öffentlichkeit nutzten die WG zuletzt über 10 Jahre als Ort der Diskussion, der Inspiration und eines freundschaftlichen Miteinanders. So wurden die bürgerlichen Biedermeierräume des Jacobihauses einmal im Monat zur offenen Wohngemeinschaft der Künstler, um einen Gemeinschaftsraum und Treffpunkt zu schaffen, an dem der innere Austausch eben dieser und nicht die latente Konkurrenz des üblichen Tagesgeschäfts im Vordergrund stand.

Was wir noch nicht von ihnen wussten... 
Dabei stand ganz und gar nicht die erneute Präsentation der eigenen Arbeit im Zentrum des Interesses - sie blieb hier gänzlich ausgeschlossen. Im bedeutend unbedeutenden Klima der WG entfaltete sich dagegen allabendlich ein umfangreiches Programm, in dem Künstler gerade das zeigten, was sonst als Inspirationsquelle, Bezugsfeld oder Querverweis im Schatten der eigentlichen Arbeit und im Dunkeln bleibt, wohl aber einen bedeutenden Arbeitshintergrund bildet. Ganz im Sinne eines „Was wir noch nicht von ihnen wußten...“ entfaltete sich ein luxuriöses Kaleidoskop der mannigfaltigen Interessen, profunden Kenntnisse, exotischen Hobbys und geheimen Manien der Künstler vor dem Publikum. Als unerkannte Köche, Schriftsteller, Sammler, Wissenschaftler, Erfinder, Filmemacher, Tänzer oder Musiker zeigten sich Künstler als universell interessierte Wesen mit weit geöffnetem Horizont. Sie zeigten sich als von prosperierender Neugier getriebene Gemeinschaft mit Über-, Weit-, Fern- und Seitenblick und stellten der Fokussierung kunstökonomischer Interessen die luxuriös fluktuierende Vielfalt künstlerischer Perspektiven und die Freiheit des Denkens, Forschens, Spekulierens und Handelns gegenüber.

Raumprogramm
Für diese Operation stellte die WG in ihrem Konzept ein passendes Raumprogramm als Inspiration und Ort zur Verfügung. Die 5 Räume des biedermeierlastigen Jacobihauses wurden auf 2 Stockwerken jeweils changierend als Wohnzimmer, Gästezimmer, Bibliothek, Küche und Bar genutzt. Während Wohn- und Gästezimmer oft mit Musikprogrammen, Film- und Videoscreenings sowie performativen Formaten bespielt wurden, versorgte die Küche mit „Kochen unter widrigen Umständen“ die Gäste mit kulinarischen Genüssen verschiedenster Art. In der Bibliothek wurde in Lesungen, Vorträgen und anderen wortlastigen Programmen die Basis für anschließende Diskussionen und Diskurse gelegt. In Bar und Foyer konnten sich diejenigen zurückziehen, denen die 3-4 Darbietungen pro Abend zu viel wurden, die vom Diskurs ermüdet, von den Vorträgen gelangweilt, oder schlicht rede- und rauschbedürftig waren.

Daneben ergänzten Formate wie „Schöner Scheitern“ oder „Curator’s Kitchen – Ihr kocht für uns“ das Raumprogramm mit ungewöhnlichen Themeschwerpunkten. Außenseiter der immer ökonomischer aufgestellten Kunstszene wie das verfemte Scheitern wurden als Inspirationsquelle revitalisiert und die geneigte Kuratorenschaft über das Kochen wieder von der Verwerterseite auf die der Produzenten gezogen.

Alles nicht so wichtig hier
Frei nach dem Grundsatz „Alles nicht so wichtig hier“ verteidigte die WG über die Jahre erfolgreich eine latente Unsichtbarkeit für die Suchscheinwerfer der Märkte und Methoden klassischer Kunstproduktion, um einen ungezwungenen Austausch untereinander zu ermöglichen.
Wo die Bedingungen von Räumen die in ihnen entstehenden Ereignisse beeinflussen, produzierte die latente Unsichtbarkeit der WG ein neues, ungezwungenes Klima von unangepassten Formen der Auseinandersetzung mit der eigenen und anderen Arbeit. Der unscheinbare Rahmen und die weitestgehende Ausblendung jeglicher marktspezifischer oder institutioneller Wirksamkeiten ermöglichte ein gemeinsames, formal wie ideell offenes Nachdenken über künstlerische Denk- Handlungs- Produktions- und Lebensweisen.

Die dabei entstandenen überbordend bunten und vitalen Formen und Formate der Präsentationen künstlerischer Bezugsfelder in einem kollegial- entspannten Klima ermöglichten eine hochaktuelle wie unprätentiöse, sich in ihrer jeweiligen Zeit verankernde und verlierende Diskussion an den Rändern der Kunst. Die durchlässigen Kontaktzonen zu benachbarten Disziplinen, kulinarischen Genüssen, poetischen Äußerungen, musikalischen Experimenten oder wissenschaftlichen Vorhaben wurden selbst zum Objekt einer absichtslos und gemeinschaftlich frei forschenden Szene zwischen gespannter Neugier, profunder Seriösität und beflügelndem Humor.

Nach 10 Jahren WG mit über 300 Beiträgen bei 85 Veranstaltungen gilt mein Dank als erstes den internationalen Künstlern, die die Einladung in das offene Haus der WG angenommen haben. Sie haben Ort und Format mit ihren Beiträgen erst entstehen lassen. Die Souveränität, mit der sie die 10 Jahre zu einem informellen wie leichten, zurückhaltenden wie rauschenden Fest der Kunst gemacht haben, entspricht der Souveränität der Produzenten jener Arbeit, an der so viele partizipieren und dies gerne vergessen. Die Künstler als Nukleus der Kunst waren Zentrum und Fokus dieses Projekts, das sich über die Länge der Zeit immer wieder selbst aktualisiert hat.

Das Publikum, das nicht nur produktiver Teil des Projekts wurde, sondern das über viele Grenzen hinweg schlichtweg Freundschaft verband, war großartig und großer Prospekt der WG. Alle, die über die Zeit so oft zu Bewohnern des Hauses der WG wurden gilt mein Dank für das jahrelange Interesse und den immensen Zuspruch, er uns so leicht über die Jahre getragen hat.
Dem Team, das aus zahlreichen Helfern bestand, gilt ebenfalls mein größter Dank für die engagierte und selbstlose Arbeit an diesem Projekt, wie auch dem Verein selbst.
Ganz besonders gilt er jedoch meiner Kollegin Birgit Jensen, mit der ich über 10 Jahre ein perfektes wie einfallsreiches, leichtes wie konzentriertes Programmteam bilden durfte.

Nach 10 Jahren schloß die WG ihre Türen, ohne sich zu wiederholen. Das Temporäre kommt oft leichter daher als das ewige Gleiche und macht dem Neuen dort freiwillig Platz, wo andere sich gern auf ewig einrichten. Projekte wie die WG sind der Fluktuation verpflichtet. Sie finden immer eine andere Form und einen neuen Ort, denn sie sind nicht was sie sind, sondern das, was wir von ihnen wollen.

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