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Public Garden Public Generation
06.05. - 26.07.2009

Der städtische Park könnte einer der letzten öffentlichen Räume sein, die verhalten im Schatten ökonomischer und politischer Interessen liegen. Hier scheint die sonst auffällige Zweckbindung des Raums zu fehlen, die den Bürger meist als potentiellen Konsumenten adressiert. Der Stadtpark, der zwar deutlich als Repräsentation von Natur im städtischen Kontext verankert ist, gibt sich gegenüber botanischen Gärten, barocken und romantischen Parkanlagen, die die Kontemplation der domestizierten Natur zum Inhalt erheben, inhaltlich merkwürdig unbesetzt. Er wird so zur strukturellen Fläche ohne wahrnehmbaren Inhalt, zur leeren Bühne, auf der die Stadtgesellschaft ihre Diskurse frei inszenieren kann.

Damit gewinnt der Park an Bedeutung: hier verknüpfen sich soziale, politische und geheime Interessen in angenehmer Weise mit Erholung, Vorlieben und Müßiggang. Vor inszenierten Dioramen, an versteckten Orten und geheimen Plätzen werden die Beziehungen von ethnischen, kulturellen und religiösen Gruppen, von Bürgerschaft, versteckter Anarchie und Establishment genauso formuliert wie das Verhältnis von Stadt, Natur und Kultur. Mitten im Zentrum etabliert der Park einen "anderen Raum" und kommentiert als solcher subtil sein städtisches Umfeld. Auf dieser Bühne generiert sich "Public Garden Public Generation" direkt in seinem Kontext: es inszeniert den Park als letzten offenen Ort der Stadtgesellschaft. Der gesamte Entstehungsprozess des Projekts wird dabei in die Öffentlichkeit verlegt und durch Führungen, Meetings, Diskussionen und Aktionen im Park selbst erlebbar. Die Wechselwirkungen zwischen Öffentlichkeit und NAK, zwischen Parkbesuchern und Künstlern wird zum bestimmenden Faktor der Ausstellung.

Kontext
Räume sind heute mehr denn je von den Bedingungen bestimmt, unter denen wir uns in ihnen bewegen: Territoriale Ansprüche und spezifische Zugangsberechtigungen verorten sie im Werteraster der Gesellschaft und bestimmen unser Verhalten in ihnen. In einer Zeit zunehmender Kommerz-ialisierung und Privatisierung öffentlicher Räume wird der Stadtbewohner mehr und mehr als Kunde denn als politische oder soziale Größe im städtischen Kontext adressiert.Wo öffentliche Räume zur Artikulationsfläche wirtschaftlicher oder parteipolitischer Interessen werden, entwerfen sich nur wenige Räume noch so, dass man sie als der "Polis" frei oder offen zur Verfügung stehende Verhandlungsräume beschreiben könnte.

Einer der letzten und gerade im politischen Sinne verhalten im Schatten ökonomischer Interessen liegende Raum ist der städtische Park. Seine Determinierung als Repräsentation von Natur im städtischen Kontext verankert ihn zwar klar im Werteraster der Stadt. Diese Bedeutung tritt allerdings zunehmend hinter seinem Freizeitwert zurück, so dass er als undeterminierter Freiraum wahr-genommen wird. Die zurückgedrängte, organisierte Natur im Park wird zum Inhalt ohne (wahrgenommenen) Inhalt und damit zur rein strukturell gefassten Fläche, zur leeren Bühne des Parks, auf dem die Stadtgesellschaft ihre Diskurse frei inszenieren kann.

Damit gewinnt der Park an politischer Bedeutung: als freier Raum ist er der, den die Gesellschaft an sich und selbst mit ihren Kommunikationen bespielt. Der Park wird zur letzten, wenn auch als solche noch weitgehend unentdeckten Plattform für den Austausch der Stadtgesellschaft, die ihre sozialen und politischen Interessen hier in angenehmer Weise mit Erholung und Müßiggang verknüpfen kann. Die Verhältnisse von ethnischen, kulturellen und religiösen Gruppen, von Bürgerschaft, Arbeitern und Establishment werden hier offen und informell formuliert.

Das Projekt
Den Möglichkeiten des Parks als politischer wie soziokultureller Bühne soll in dem Projekt in einer Verschränkung künstlerischer und gesellschaftlicher Perspektiven nachgegangen werden. Bietet der Park eine unentdeckte, offene Plattform für die Redefinition der offenen Stadtgesellschaft? Lässt er sich als semipolitische Landschaft der heterogenen Stadt neu entwerfen und aktivieren? Lassen sich hier symbiotische Beziehungen zwischen Mensch, Stadt und Natur in einer neuen ökologischen Perspektive denken und reflektieren? Kann der Park die aus der Stadt verdrängten Diskurse aufnehmen, ohne selbst in den Fokus herkömmlicher Verwertungsstrategien zu geraten?

Situation
Der Neue Aachener Kunstverein weist durch seine außergewöhnliche Lage mitten im "Stadtgarten", einer innerstädtischen Parkanlage, einen außergewöhnlichen Kontext auf. Der stark frequentierte, öffentliche Park stellt eine virulente Kreuzung der gesamten Aachener Stadtgesellschaft dar und formuliert damit eine ungewöhnlich heterogene Nachbarschaft für den Kunstverein. Das ehemalige Wirtschaftsgebäude des Garten- und Grünflächenamts, in dem der NAK angesiedelt ist, wird umspielt von der komplexen Heterogenität von Spaziergängern und Casinobesuchern, Grillfreunden und Ornithologen, Arbeitslosen und Minigolfern, Drogendealern und Bürgertum. Einheimische und Migranten jeglicher kultureller Couleur schreiben ihre spezifischen Nutzungen und Kulturen in den Park ein.

Adressat: Die Stadtgesellschaft

An diese hier agierende, quasi repräsentative Querschnittsgruppe der Stadtgesellschaft richtet sich das Projekt. Im Zuge einer Ausstellung, die sich mit dem Park und seiner soziopolitischen Funktion und Bedeutung für die Stadtgesellschaft beschäftigt und ihn parallel als Repräsentation von Natur im städtischen Kontext beleuchtet, soll die Vorbereitungsphase und Generierung der Ausstellung direkt in den öffentlichen Raum verlegt werden.

Kunst und Öffentlichkeit
Kunstprojekte im öffentlichen Raum haben es mit einer ambivalenten Gemengelage zu tun. Oft ist die Stadtgesellschaft, an die sich die Projekte richten, eher unvorbereitet mit dem Auftauchen dieser im öffentlichen Raum konfrontiert. Auch wenn sich viele Arbeiten heute direkt aus ihrem Kontext heraus entwickeln, ist der Moment ihres Auftauchens dort oft abrupt, plötzlich und unvermittelt. Diese Unvermitteltheit löst oft Unverständnis und territoriale Abgrenzungsbedürfnisse seitens der Bevölkerung aus. Die öffentliche Generierung einer Ausstellung: Autoproduktive Prozesse initiieren und vermitteln Das Projekt "Public Garden - Public Generation" versucht hier einen neuen Weg zu gehen, indem es die gesamte Vorbereitungsphase inklusive Kuratierung und Produktion der Ausstellung direkt in den öffentlichen Stadtraum verlegt und zum Kern des Projekts macht. In einem öffentlichen Generierungsprozess von informellen Führungen, Spaziergängen, (Spontan-)Vorträgen und kontextbezogenen Ereignissen generiert sich die Ausstellung selbst und vor Ort aus ihrem unmittelbaren Kontext heraus. Die Wechselwirkungen zwischen Öffentlichkeit und Kunstverein, zwischen Parkbesuchern und Künstlern wird zum bestimmenden Faktor in dieser offenen Form der Ausstellungskonzeption.

Projektautor statt Kurator: Die Ausstellung entwirft sich selbst
Der Kurator wird dabei durch den oder die "Projektautoren" ersetzt, die zu Moderatoren eines öffentlichen Prozesses werden, in dem sich die Ausstellung selbst generiert. So werden im Projekt nicht nur die Entstehung einer Ausstellung mitverfolg- und latent mitbestimmbar. Parallel werden kontextbezogene Inhalte (Beziehungen Park/ Stadtgesellschaft/ Kunst) vermittelt und gleichzeitig neue künstlerische Strategien und Produktionsformen nachvollziehbar, die sich aus einer Verschränkung künstlerischer, kuratorischer, vermittelnder und kontextbezogener Praktiken ergeben. Dabei bleibt die Souveränität von Künstlern wie Stadtbewohnern bestehen. Die Formate der Führung etc. generieren sich hier nicht als didaktischer Vermittlungsversuch sondern als künstlerische Äußerung, die gleichzeitig Generierungsprozess, Entwicklungsstrategie und Umsetzung künstlerischer Artikulationen ist. Dieser öffentliche Generierungsprozess soll sich von April 2009 - Juli 2009 mit Führungen, Diskussionen, Ereignissen und Aktionen im Park und seinem Umfeld ereignen. Im Anschluss folgt die Ausstellung (Eröffnung 7.6.2008), während derer die Vorträge und Führungen in Form eines Ausstellungsprogramms fortgesetzt werden. Nach der Ausstellung folgt im Segment "Als ob nichts geschehen wäre…" die Reflexion der Auswirkungen des Projekts in Form weiterer Führungen, Diskussionen und Treffen.