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An den Rändern der Kunst
05.11.2011 - 23.12.2011

►the chain

Sammlung Karl Heinz Rummeny | Düsseldorf
Enoaru Cafe | Tokyo
Sitemagazine | Düsseldorf
Bill+ George | Sydney
Skulpturenpark Berlin _ Zentrum | Berlin
Single - Club | Düsseldorf
Büro Für Transdisziplinäre Forschung & Kulturproduktion | Stuttgart

mit Arbeiten von Alexander Basile, Alwin Lay, Astali/Peirce, Eric Bainbridge, Marcel Duchamp, Joseph Beuys, Gilbert & George, Seb Koberstädt, Jochen Lempert, Henrik Olesen, Rebecca Conroy, Hosanna Heinrich, Tessa Zettel, Karl Khoe, Yvonne P. Doderer, Misako Ichimura, Testuo Ogawa, Pawel Kepinski, Wanda Koller, Stephan Machac, Katharina Maderthaner, Dominic Osterried, Michail Pirgelis, Max Schulze, Jan Albers, Sarah-Jane Hoffmann, Gerda Scheepers, Sarah Szczesny, Nora Hansen, Johannes Kithil, Jasmin Reif, Alexander Rath & die Cloneheadz, Angela Fette, Daniela Georgieva, Stephan Engelke, Ninakarlin Prinz, Ali Altin und die türkische Nationalgarde, KUNSTrePUBLIK Matthias Einhoff, Philip Horst, Markus Lohmann, Harry Sachs, Dan Seiple

Künstlerische Projekte und Projekträume gehören inzwischen zum Inventar innerkünstlerischer Kommunikation. Sie haben das Feld künstlerischer Artikulationsformen weit über die Grenzen des klassischen Kunstbetriebs hinaus ausgeweitet und sind damit Pioniere und maßgeblicher Bestandteil der professionellen Kunstproduktion zugleich. Die Ausstellung stellt teilweise dokumentarisch, teilweise anhand bedeutender Arbeiten eine große Bandbreite künstlerischer Interessensfelder an den Rändern des klassischen Kunstbetriebs vor, die von der Generierung vollkommen neuer Ausstellungsformate über das Engagement für öffentliche Stadträume bis hin zu bewundernswert eigenwilligen Sammlungen reicht.

Enoaru Cafe
Enoaru Cafe befindet sich in idyllisch- prominenter Lage mitten im Zentrum Tokyos im Yoyogi- Park. Dort haben die Künstler Misako Ichimura und Testuo Ogawa in einer sogenannten „Homeless people’s village“, einer blauen Zeltstadt, in der sie selbst seit langem leben, ein ungewöhnliches Angebot gemacht. Der kleine Tisch vor ihrem Zelthaus wird tagtäglich zu einem Treffpunkt derer, die das Schicksal in die Wohnungslosigkeit gestürzt hat und der Stadtgesellschaft, für die sie sonst gleich Verfemten unsichtbar sind.

Mit dem unscheinbaren Angebot eines informellen Malkurses im Freien etabliert Enoaru Cafe eine Gesprächsebene zwischen den sonst verhärteten Fronten: am Tisch der Künstler trifft sich mittags eine illustre Gemeinschaft aus Managern, Filmregisseuren, Heimatlosen, Künstlern und Hausfrauen, um gemeinsam zu zeichnen. Der idyllische Ort und die unprätentiöse Art der Künstler ermöglicht das Gespräch zwischen der Gesellschaft und denen, die meist nicht durch sozialen Abstieg in diese Situation geraten sind, sondern oft aus freier Entscheidung, aus Schamgefühl über einen geschäftlichen Fehler oder durch Resignation gegenüber gesellschaftlichen Anforderungen.

Dass die Situation der Wohnungslosen eine dramatische Aktualität durch die akute Wirtschaftskrise erhält, die in Japan Tausende in die Armut und auf die Straße treibt und die Künstler zum unfreiwilligen Lebensberater in Sachen „Überleben ohne Geld“ macht, ist ein Auftrag, den sie auch auf anderen Ebenen annehmen. Als Organisatoren von in Japan vollkommen unüblichen Demonstrationen gegen städtische Gentrifizierungsmaßnahmen oder als Betreiber einer Straßenküche, in der eben alle Teile der Gesellschaft im öffentlichen Raum zusammenkommen, um gemeinsam aus wenigem viel zu kochen , sind sie ein einzigartig politisch engagiertes Projekt in einer nahezu unpolitischen Kunstszene Tokyos.

SITEMagazine
SITEMagazine (gegründet 1998 von Petra Rinck, Sven Lütgen und Ralf Brög) hat sich von Anfang an konsequent als Ausstellung im Magazinformat vorgestellt. Mit jeweils für die einzelnen Ausgaben erarbeiteten Beiträgen lassen sich die eingeladenen Künstler weitgehend auf das bildnerisch- grafisch vermittelte Arbeiten in 2 Dimensionen ein. Die Magazine entstehen als visuell aufgebauter Bild- und Textkörper jenseits klassischer Informationsvermittlung. Damit gehört SITEMagazine seit Jahren zu den künstlergenerierten Projekten, die den Ausstellungsbetrieb konsequent um ein neues Format bereichert haben. Neben den  mittlerweile zwölf Ausgaben und den Sonderauflagen „Haus am Meer“ und „Transatlantico“ hat SITEMagazine verschiedene Ausstellungsprojekte realisiert, die das Heftformat virtuos in den dreidimensionalen Raum übertragen.

Single- Club
Das Format „Single- Club“ kennt momentan jeder in Düsseldorf. Der Charakter des Kunstszene- Treffs, bei dem jeweils verschiedene Künstler in einer umgenutzten Kegelbahn von „Agi’s Bistro“ das Interieur für eine als Partylocation nutzbare 24- Stunden- Schau stellen, um gleich darauf als Zeitzeugen des performativen Events musealisiert zu werden, ist nur ein Aspekt des von Alexander Wissel initiierten Projekts. Seine Lage im prekären Umfeld des Worringer Platzes ist bezeichnend für das Interesse seines Machers an stadträumlich wie sozial prägnanten Kontexten. Wissel versucht Kunst offensichtlich da zu platzieren, wo sie sich nur unter erschwerten Bedingungen halten kann. Neben dem Aspekt der Selbstbehauptung und der pionierhaften Suche nach Erweiterung des Kunstbegriffs durch lebensnahe Kontexte wäre die Perspektive derer interessant, die dem Kunstpublikum zu entgehen scheinen, aber vom Macher auf merkwürdige Weise fokussiert werden: nämlich der versprengten Menge originärer Gäste von Agi’s Bistro und ihrem Chef selbst, der schon heute artefaktisch durch die Kunstwelt geistert. Wie weit diese theatralische Verschneidung zwischen Kunst und teilweise skurrilem Sub- und Alltagskulturkontext in Zukunft gehen wird bestimmt auch die Kunstfähigkeit des Projekts, das sich scharf  und geschickt entlang der Grenze von Kunst und Welt durchs mehr als reale Leben bewegt.

Skulpturenpark Berlin_Zentrum
Das von dem Künstlerteam KunstRepublik initiierte Projekt auf einer innerstädtischen Brache Berlins unterstreicht die Möglichkeit, auch im Zentrum internationaler Metropolen unkonventionelle Möglichkeitsräume zu öffnen. Der informelle Skulpturenpark, der von 2006 bis 2010 ein zur Bebauung offengehaltenes Gelände unscheinbar besetzte und bespielte, ohne Absprachen mit dem Besitzer zu treffen, artikuliert kritische wie autonome künstlerische Positionen im Spannungsfeld künstlerischen Engagements um öffentliche Stadträume.  Daß die Künstlergruppe so weit ging, den von ihnen erschlossenen Raum der renommierten Berlin- Biennale für eine Ausstellung zu vermieten, obwohl das Gelände gar nicht ihnen gehörte, verweist auf die couragierte Rückaneignung städtischer Räume nicht nur im spatialen, sondern auch im klassisch ökonomischen Sinn abstrakter Wertproduktion.

Sammlung Karl Heinz Rummeny
Das „Parkhaus“ ist einer der ältesten Projekträume Düsseldorfs. Was nur wenige von seinem Initiator und Betreiber Karl Heinz Rummeny wissen ist, daß der Künstler neben seiner kuratorischen Tätigkeit eine einzigartige Sammlung verschiedenster Arbeiten aufgebaut hat, die von einer begeisterten Liebe zur Kunst berichtet. Wo Ausstellungsprojekte wie die erste Präsentation der Werke Palermos unter freiem Himmel bereits die hohe Risikobereitschaft des Ausstellungsmachers Rummeny andeuteten, zeigt die Sammelleidenschaft desselben ebensolche Züge. Trotz minimaler Kapitalressourcen gelang es Rummeny unter nicht zu unterschätzenden Risiken eine außergewöhnliche Sammlung zusammenzutragen, die nicht selten Rückschlüsse auf die Arbeit zwischen den Künstlern zulässt. Zeichnungen und Skizzen, Auflagenarbeiten und Specials erzählen oft von Freundschaften, außergewöhnlichen Ereignissen im Umfeld von Kunstproduktion oder aufopfernden Unterstützungsunternehmungen. Die Sammlung Karl Heinz Rummeny ist ein Stück privatkünstlerischer Initiative auf einem sonst dem Markt vorbehaltenen Terrain, das vom großen Respekt im Umgang von Künstlern untereinander berichtet.

Büro für transdisziplinäre Forschung und Kulturproduktion
Yvonne P. Doderer hat als Architektin im Umfeld solcher Kunst, die sich für städtische und soziopolitische Räume interessiert, eine wichtige Position etabliert. In theoretischen und praktischen Arbeiten versucht das „Büro für transdisziplinäre Forschung und Kulturproduktion“ Stadträume als gesellschaftspolitische Handlungsfelder transparent, wahrnehmbar und kritikfähig zu machen. Entlang der Schnittstellen von Kunst, Stadtplanung, Architektur und Gesellschaft interagiert das Institut mit bürgerschaftlichen Engagements wie „Stuttgart 21“, kollaboriert mit kulturellen Institutionen wie dem Württembergischen Kunstverein oder produziert eigenständig kontextspezifische Diskurse wie solche im Umfeld der internationalen Genderdebatte.

Bill+George
Bill+George is an artist run space in Redfern, Sydney Australia. Redfern is known as the Black Capital of Australia for its large urban indigenous population. It is also adjacent to the largest concentration of public housing in Australia and home to CarriageWorks a contemporary arts centre in the former industrial site of Eveleigh Railyards. Redfern is also a rapidly changing social mix of migrant, elderly, young families and hipsters, and of course "the shock troops of gentrification": the artist. Bill+George sits awkwardly among the diaspora of found community - being both rich in cultural capital but characteristically destitute starving artists situated in one of the worlds most unaffordable and over valued housing markets. For now, we cling to the whims of our landlord and remain here. But for how long who knows?

We are 11 interdisciplinary artists working across video, performance, installation, painting, sound, coding, writing and producing. This year we are embarking on three site based projects and a series of Radical Economic conversation events.
Artists: Tessa Zettel, Karl Khoe, Fiona Winning, Hosanna Heinrich, Rebecca Conroy, Dan Mackinnlay, Sarah Mosca, Anna John, Teik Kim Pok, Karen Therese, Chris Wilson.


►the chain